Die Grenzen meiner Sprache
bedeuten die Grenzen meiner Welt.“
(Ludwig Wittgenstein)

 

 

Das Selbstverständnis des Faches: drei Schülerfragen an den Deutschlehrer

 „Wir können doch schon alle deutsch – warum müssen wir das noch lernen?“
Wenn vor allem in den ersten Jahren des Gymnasiums besonders viel Wert auf die formale Sprachbeherrschung, also den Grammatikunterricht gelegt wird, so erscheint das für manchen Schüler so, als würde man Eulen nach Athen tragen: Man weiß doch ohnehin, wie man sich zu verständigen hat, warum also soll man sich über Wortarten und Satzglieder (samt einer Fülle von dazugehörigen Fachbegriffen) Gedanken machen? – Gerade aber durch unser Anliegen, auf diese Weise zur bewussten Auseinandersetzung mit der Sprache und ihren Gesetzmäßigkeiten zu ermutigen, fördern wir Kompetenzen, die über das Fach Deutsch hinaus, nicht nur im Fremdsprachenunterricht, unverzichtbar sind. Durch die Einübung vielfältiger Formen des Sprechens (u. a. Vorträge, Präsentationen, Debatten) sollen unsere Schüler zudem befähigt werden, eine vertiefte Sensibilität im Umgang mit der deutschen Sprache zu entwickeln, sodass sie sich in unterschiedlichsten kommunikativen Situationen bewähren können.
 

 
 
   

„Müssen wir denn jede Stunde was schreiben?“
Obwohl die digitalen Medien vor allem mit immer umfassenderen, immer perfekteren Bildwelten an uns herantreten, wird in der Welt der Smartphones und Tablets mehr geschrieben als je zuvor. Und wenn heutzutage immer extensiver gechattet, gebloggt oder getwittert wird, so zeigt das nur, dass schriftliche Kommunikation nichts Elitäres mehr an sich hat, sich also keineswegs mehr auf die streng abgezirkelte Welt von Geschäftsbriefen, Protokollen und Abhandlungen beschränkt. Die Schreiberziehung des modernen Deutschunterrichts reagiert auf solche Tendenzen: Sie stellt eine Vielfalt von Schreibanlässen bereit, ermutigt die Schüler, mit Sprache kreativ-spielerisch umzugehen und sie als persönliches Ausdrucksmittel zu begreifen und anzuwenden. Gleichzeitig aber heißt Schreiben auch, sich in Geduld und Ausdauer zu üben: formale Anforderungen zu bewältigen, Gedankengängen planvoll zu gliedern und an Formulierungen zu feilen – Kompetenzen, die das Fach Deutsch durch eine Reihe von Methoden (von der „Schreibkonferenz“ bis hin zur „Schreibwerkstatt“) nachhaltig fördert und regelmäßig einfordert. Denn nur wer die Kulturtechnik des Schreibens beherrscht, kann sich in unserer globalisierten Welt Gehör verschaffen!

„Schon wieder ein Gedicht – wofür brauchen wir das später denn mal?“
Die Auseinandersetzung mit Texten, also zuvörderst die Förderung der Lesetechnik und des Leseverstehens bis hin zur umfassenden Texterschließung, macht einen wesentlichen Teil des Deutsch¬unterrichts aus. Dabei gilt ein besonderes Augenmerk dem Umstand, dass die Fähigkeit, immer anspruchsvollere Sach- und Gebrauchstexte zu durchdringen, für den Unterricht in den anderen Fächern, vor allem aber auch generell für den Erfolg in Studium und Beruf unverzichtbar ist. Daneben freilich betrachten wir es auch weiterhin als unser Kerngeschäft, den Schülern die vertiefte Begegnung mit „Literatur“ im engeren Sinne zu ermöglichen – dies aus der erklärten Überzeugung heraus, dass das Gymnasium nach wie vor (und unabhängig von konkreten Ausbildungszielen) das Humboldt’sche Ideal des allseits gebildeten Menschen verficht, also etwa auch die Aufgabe hat, Werte zu vermitteln und Horizonte zu erweitern. Die Deutsch-Lehrkräfte kommen dieser Zielsetzung auch dadurch nach, indem sie ergänzend zum regulären Unterricht Wettbewerbe (wie den Vorlesewettbewerb der 6. Klassen) ausrichten, eng mit den Stadtteilbibliotheken zusammenarbeiten, regelmäßig mit den Schülern Inszenierungen an den großen und kleinen Schauspielhäusern Münchens besuchen, aber auch dankbar die engagierten Aufführungen der insgesamt drei Theatergruppen am MPG nutzen.