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Max Planck
Max Planck gilt als einer der bedeutendsten Physiker aller Zeiten. Sein Name darf und muß
in einem Atemzug mit Kepler, Galilei, Newton und Einstein genannt werden. Wer war dieser Max Planck? Fast 90 wechselvolle und erfüllte Lebensjahre! Der folgende Bericht, der sich eng an der Rede orientiert, die mein verehrter Seminarlehrer und Vorgänger 1965 anläßlich der Namensgebung unserer Schule gehalten hat, kann nur andeuten, kann nur schlaglichtartig einige Akzente setzen und die wichtigsten Stationen aufzeigen.
Max Planck als Schüler und Student in München
Max Planck wird am 23. April 1858 in Kiel geboren. Max ist
das vierte von sieben Geschwistern. Als 9-jähriger tritt er in die erste Lateinklasse
des Münchner Maximilians-Gymnasiums ein. Die Jahre davor hatte er in seiner
Geburtsstadt Kiel verbracht. Seine Eltern stammten aus Schwaben. Der Vater war
Jurist und hatte nun eine Professur in München angenommen. Das Max-Gymnasium
in Schwabing war damals wie heute ein rein humanistisches Gymnasium. Einer seiner
Klassenkameraden wurde Oskar von Miller, der später das Deutsche Museum erbaute
und die ersten elektrischen Kraftwerke und Fernleitungen in Deutschland errichtete.
In den Schulakten finden sich folgende Bemerkungen über die beiden Gegenpole: Planck:" Mit Recht der Liebling seiner Lehrer und Mitschüler,
der Jüngste der Klasse (14 Jahre) und bei aller Kindlichkeit ein sehr klarer,
logischer Kopf. Verspricht etwas Rechtes." Miller:" Nicht ohne Talent. Schnell
fertig und richtig in seinem Urteil; hört mit einem Ohr mehr als andere auf
zwei, aber die personifizierte Unordnung, ohne allen Fleiß, den Unterricht störend
und ein Hemmschuh für die Klasse." Einen naturwissenschaftlichen Unterricht gab es damals am Max-Gymnasium
nicht, aber immerhin gehörte zum mathematischen Stoff der Abiturklasse "populäre
Astronomie" und "Mechanik". Planck schreibt über jene Zeit: "Mit der Physik kam ich zuallererst in Berührung durch meinen
Mathematiklehrer, einen mitten im Leben stehenden, scharfsinnigen und witzigen
Mann, der es verstand, die Bedeutung der physikalischen Gesetze durch drastische
Beispiele zu erläutern. So kam es, daß ich als erstes Gesetz, das eine absolute
Geltung besitzt, das Prinzip der Erhaltung der Energie wie eine Heilsbotschaft
in mich aufnahm. Unvergeßlich ist mir die Schilderung von einem Mauerer, der
einen schweren Ziegelstein mühsam auf das Hausdach hinaufschleppt. Die Arbeit,
die er verrichtet, geht nicht verloren: sie bleibt unversehrt aufgespeichert,
jahrelang, bis vielleicht eines Tages der Stein sich löst und einem vorübergehenden
Menschen auf den Kopf fällt." Noch früher als sein naturwissenschaftliches Interesse zeigte
sich eine zweite Seite seiner reichen Begabung: Seine außergewöhnliche Musikalität.
Er besaß das absolute Gehör, lernte hervorragend Klavier spielen, sang in mehreren
Chören und komponierte später als Student für Hausmusikabende kleine Stücke
und sogar eine Operette. Als Student betätigte er sich auch als Dirigent im
Akademischen Gesangverein und spielte Orgel bei Studenten-Gottesdiensten.Auch die Liebe zu den Bergen, die ihn sein ganzes Leben begleiten
sollte, hatte ihre Wurzeln in den Eindrücken seiner frühen Jugendjahre. Die
Sitte seines Vaters, in den Ferien mit der ganzen Familie in irgend ein einsames
Tiroler Bergdorf zu ziehen und dort die ganze Umgebung zu erwandern, hat er
bis ins hohe Alter beibehalten.Mit noch nicht einmal 17 Jahren macht Max Planck das Abitur.
Sieben Jahre am Gymnasium galten damals für Hochbegabte als ausreichend. Die
Studienwahl fällt ihm schwer. Er schwankt zwischen Musik und Physik. Ein Freund der Familie, der Physiker Professor Jolly, rät von
der Physik ab - mit einer Begründung, die uns heute, wenn wir die fachlichen
Leistungen Max Plancks im Auge haben, fast paradox anmutet. Jolly rät vom Physikstudium
ab, weil "in dieser Wissenschaft schon fast alles erforscht sei". Und als Planck
sich informiert, welche Aussichten ein Musikstudium eröffnen könnte, erhält
er die harte Antwort: "Wenn Sie sich erst erkundigen, dann lassen Sie es besser
bleiben."So beginnt Planck 1874 sein Studium der Mathematik und Physik
in München. Im Frühjahr 1877 unternimmt er mit Freunden eine mehrwöchige Fußtour
nach Oberitalien: Comer- und Luganer See, Lago Maggiore, Brescia, Venedig, Florenz,
Venedig, Gardasee, alles in einer eigentümlich zickzackförmigen Reiseroute je
nach Laune und Wetter und den Fahrplanmöglichkeiten der Eisenbahn. Im Wintersemester
77/78 studiert er an der Universität Berlin bei Kirchhoff, der zusammen mit
Bunsen die Spektralanalyse entwickelt hatte, bei Helmholtz und Clausius. 1879
macht Max Planck in München 21-jährig das Lehramtsexamen für Physik und Mathematik
und den Doktor. Das Thema der Doktorarbeit ist "Der 2. Hauptsatz der Wärmelehre".
Er schreibt darüber: "Der Eindruck dieser Schrift in der damaligen physikalischen
Welt war gleich Null. Von meinen Universitätslehrern hatte, wie ich genau weiß,
keiner ein Verständnis für ihren Inhalt. Sie ließen sie wohl nur deshalb passieren,
weil sie mich von meinen sonstigen Arbeiten im Seminar her kannten."
Sein Weg zu akademischen Würden
1880 wird Max Planck mit der Habilitationsschrift "Gleichgewichtszustände
isotroper Körper" Privatdozent in München. Er schreibt über diese offenbar auch
finanziell schwierige Zeit: "Als Privatdozent in München wartete ich jahrelang auf eine
Professur, worauf freilich wenig Aussicht bestand, da die theoretische Physik
damals noch nicht als besonderes Fach galt." Einen Hoffnungsstrahl in dieser Zeit sah Planck darin, daß die
Göttinger Universität eine Preisaufgabe über das Wesen der Energie ausschrieb.
Planck erhielt den 2. Preis, ein 1. Preis wurde nicht vergeben. Der Grund hierfür
waren Differenzen zwischen den Berliner und Göttinger Professoren. Planck schreibt
dazu: "Es bestand eine scharfe wissenschaftliche Kontroverse, in
welcher ich mich ausdrücklich auf die Seite von Helmholtz stellte. Hatte ich
so den Beifall der Göttinger verscherzt, so zog ich dafür die Aufmerksamkeit
der Berliner auf mich, und das sollte ich bald zu spüren bekommen." In der Tat ging es nun endlich aufwärts, und es ging steil aufwärts
mit Max Planck. 1885 erhielt er eine Professur für mathematische Physik in Kiel
und 1889 - mit nur 30 Jahren also - wird er Nachfolger des berühmten Kirchhoff
an der Universität Berlin, er wird ordentlicher Professor für Theoretische Physik "Der Ruf nach Kiel kam mir vor wie eine Erlösung. Denn der
Drang nach Selbständigkeit war doch immer stärker in mir geworden, und ich sehnte
mich nach der Gründung eines eigenen Haushalts."
Der Beginn der modernen Physik - Nobelpreis und Ehrungen
1894 begann Planck mit seinen Arbeiten zur Wärmestrahlung, die
ihn nach ihrer Veröffentlichung in kürzester Zeit weltberühmt gemacht haben.
Das Jahr 1900 wird zum "Geburtsjahr der Quantentheorie und der modernen Physik".
Im Oktober 1900 berichtet Max Planck vor der Deutschen Physikalischen Gesellschaft
erstmals über seine Strahlungsformel und im November gelingt ihm auch die richtige
und völlig neuartige Deutung dieser Formel. Es folgen zahllose Einladung zu
Vorträgen und Ehrungen im In- und Ausland. 1913 wird Max Planck Rektor der Berliner
Universität und kann in dieser Funktion Einstein an einen Lehrstuhl nach Berlin
holen. Er wird Ehrendoktor von Cambridge, London und Athen und Mitglied der
Akademien von Wien, Kopenhagen, Rom, Amsterdam, Dublin und Washington. 1918 erhält Max Planck als erster Deutscher nach dem 1. Weltkrieg
und dadurch wohl auch etwas verspätet den Nobelpreis. Es wäre müßig, die zahllosen
weiteren Ehrungen und Ernennungen aufzuzählen. Viel aufschlußreicher ist es,
zu erfahren, wie Max Planck sich selbst auf der Höhe seines Ruhmes verhalten
hat. Man könnte das nicht besser beschreiben, als wenn man seine Erwiderung
zur Feier seines 60. Geburtstages 1918 zitiert:
"Wenn diese Männer hier, die alle in der Wissenschaft eine
führende Stellung einnehmen, in voller Übereinstimmung ein anziehendes Bild
entworfen haben von den Verdiensten einer gewissen Persönlichkeit, so werden
Sie es gewiß nicht verdenken, wenn ich den brennenden Wunsch fühle, dieser Persönlichkeit
möglichst ähnlich zu sehen. Als gewissenhafter Physiker fühle ich aber die Verpflichtung,
jenem Bild ein anderes gegenüber zu stellen, das der Wirklichkeit doch näher
kommt:
Denken Sie sich einen Bergmann, der jahrelang mit ganzer Kraft nach edlem Erz
schürft und der eines Tages eine Ader gediegenen Goldes anschlägt, die sich
bei genauer Untersuchung noch unendlich ergiebiger erweist als irgend jemand
im voraus vermuten konnte. Wäre er selber nicht auf den Schatz gestoßen, so
wäre dies unfehlbar kurz darauf einem seiner Mitarbeiter geglückt." So viel Bescheidenheit kann sicher nicht jeder Nobelpreisträger
für sich verbuchen.
Schicksalsschläge, Widerstände und NazidiktaturWährend dem Wissenschaftler Max Planck nach vielen schweren
Jahren der Aufstieg zu Anerkennung und Ruhm beschieden war, folgten bei dem
Menschen Max Planck den glücklichen Jahren Leid und Unglück. 1887, als er Professor
in Kiel geworden war, heiratete er Marie Merck, die Schwester eines seiner Klassenkameraden
und Tochter eines Münchner Bankiers. Und er berichtet, daß die folgenden Jahre
seine glücklichsten waren. Vier Kinder wurden in den nächsten Jahren geboren.
Aber bereits 1909, als noch alle Kinder im Grundschulalter waren, kam über ihn
der erste Schicksalsschlag: Seine Frau starb. Er heiratete ein zweites mal und
zwar die Nichte seiner Frau. Sie schenkte ihm ein fünftes Kind und blieb ihm
bis zu seinem Lebensende eine hingebende Gefährtin.Es folgten weitere Schicksalsschläge: 1916 wird sein Sohn Karl
bei Verdun tödlich verwundet. Die beiden Zwillingstöchter sterben kurz darauf,
jeweils bei der Geburt ihres ersten Kindes.1930 wird Max Planck Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft,
der heutigen Max-Planck-Gesellschaft. Diese renommierte und größte Organisation
zur Förderung der Wissenschaften umfaßte damals bereits 33 Institute mit 1200
Wissenschaftlern.Eine schwierige Zeit wurde für Planck die Zeit der Nazi-Diktatur.
Zwanzig Nobelpreisträger wanderten in den Jahren 1933-1938 aus Deutschland aus.
Max Planck lehnte trotz angebotener Professuren in vielen Ländern eine Auswanderung
ab. Er wollte seine schützende Hand möglichst lange über die jüdischen Fachkollegen
halten und sich dem Trend zu einer "arischen Physik" entgegenstellen. Planck
mußte aber bald erkennen, daß das verbrecherische Nazi-Regime eine Katastrophe
heraufbeschwor. Max Planck 1935 zu Heisenberg:
"Halten Sie durch, bis alles vorbei ist, bilden Sie Inseln
des Bestandes und retten Sie Wertvolles über die Katastrophe hinweg" Besonders der Physiker und Nobelpreisträger Johannes Stark propagierte
eine "Arische Physik" und bezeichnete Planck und Heisenberg in der Presse als
"Statthalter des Jüdisch-Einsteinschen Geistes, als weiße Juden, die verschwinden
sollten." Planck wird besonders wegen seines Eintretens für Fritz Haber attakiert
und muß schließlich sein Amt als Präsident der wichtigsten Deutschen Wissenschafts-Institution
1937 auf Druck der Nazi-Regierung abgeben.1944 war sein Haus in Berlin-Grunewald, das er 39 Jahre bewohnt
hatte und das bei Hauskonzerten so viele prominente Zeitgenossen bei Diskussion
und Feier gesehen hatte, durch einen Luftangriff völlig niedergebrannt. Seine
gesamte über Jahrzehnte geführte wissenschaftliche Korrespondenz war vernichtet.Und schließlich für ihn der größte Schicksalsschlag. Sohn Erwin
wird als Mitwisser des Attentats auf Hitler verhaftet. Max Planck schreibt:
"Wir leiden unter einer schweren Sorge. Unser Sohn Erwin ist
unmittelbar nach dem 20. Juli 1944 verhaftet und zum Tode verurteilt worden.
Aber wir wollen die Hoffnung nicht sinken lassen." Als Planck im Januar 1945 die Nachricht von der Hinrichtung
seines Sohnes in Plötzensee erfährt, ist der 87jährige fast ein gebrochener
Mann. Stundenlanges Spiel am Klavier hilft ihm über die schwersten Stunden hinweg.
In den letzten Kriegsmonaten verlassen Planck und seine Frau
Berlin und finden Unterkunft auf einem Bauernhof bei Magdeburg. Dort muß Planck
die Schrecken der letzten Kriegstage erleben. Das Gebiet gerät in die Front
zwischen Russen, Deutschen und Amerikanern. Schwer von Gicht gequält versteckt
sich der 87jährige zusammen mit anderen Flüchtlingen mehrere Tage auf dem Dachboden
in einem einsamen Haus im Wald. Mitte Mai wird er von einem Suchtrupp amerikanischer
Wissenschaftler gefunden und nach Göttingen gebracht. 1946 wird Planck als einziger deutscher Gelehrter zur Feier
des 300. Todestages Newtons nach England eingeladen. Seiner Persönlichkeit allein
war es zu verdanken, daß im gleichen Jahr die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft neu
gegründet werden durfte, bald unter der neuen Bezeichnung "Max-Planck-Gesellschaft".
Ein Jahr noch war Planck Ehrenpräsident dieser Organisation, dann starb er in
seinem 90. Lebensjahr am 7. Oktober 1947. Die Kraft zum Durchhalten in all den schweren Tagen bezog Planck
aus seinem tiefen Glauben an einen persönlichen Gott und an eine vernünftige,
wenn auch oft schwer durchschaubare Weltordnung. Dazu und als Abschluß wieder
ein Zitat:
"Mir kommt der Umstand zu Hilfe, daß der feste durch nichts
beirrbare Glaube an den Allmächtigen und Allgütigen mir tief im Innern wurzelt.
Freilich sind seine Wege nicht unsere Wege, aber das Vertrauen auf ihn hilft
durch die schwersten Prüfungen hindurch. ....Gott steht für den Gläubigen am
Anfang und für den Physiker am Ende allen Denkens."
Stationen seines Lebens
Revolutionär der PhysikBesuch bei Hitler / Physiker über Max Planck / Atomphysik in VersenEs ist ein schwieriges Unterfangen, Nichtphysikern zu erläutern, was eigentlich
den wissenschaftlichen Ruhm Max Plancks begründet hat. Dennoch soll im folgenden
versucht werden, wenigstens eine Ahnung von seiner Arbeit zu vermitteln und
ein wenig zu verdeutlichen, was das Revolutionäre, das Neue war, das Max Planck
in die Physik gebracht hat.Die Physik sieht bekanntlich ihre Aufgabe darin, die Erscheinungen der Natur
zu beobachten, Gesetzmäßigkeiten zu erkennen, diese in mathematischen Formulierungen
zu beschreiben und aus möglichst einfachen Grundannahmen abzuleiten.Eine solche Naturerscheinung ist die Strahlung, die von Körpern hoher Temperatur
ausgeht. So sendet ein geheizter Ofen Wärmestrahlung aus. Je höher die Temperatur
wird, desto kürzer wird die Wellenlänge des Maximums dieser Strahlung. Eine
überhitzte Herdplatte sendet auch sichtbare rötliche Strahlung aus, wenn sie
glüht, und bei noch höherer Temperatur kommt es sogar zur Weißglut.Über diesen Vorgang war vor ca. 100 Jahren schon sehr vieles bekannt. Das Dilemma
war aber folgendes: Die genaue Verteilung der Strahlung auf die einzelnen Wellenlängen
ergab bei der theoretischen Herleitung immer Ergebnisse, die mit den Messungen
nicht übereinstimmten. An den sehr genauen Messungen aber war nicht zu zweifeln.
Es mußte ein Fehler in der Theorie vorliegen, irgend etwas in den vorausgesetzten
Grundannahmen war unzutreffend. Die bedeutendsten Physiker jener Zeit scheiterten an diesem Problem. Auch Max
Planck arbeitete daran. Er schreibt:
"...Die Rechnungen zeigten immer deutlicher, daß zur Erfassung
des Kernpunktes der ganzen Frage noch ein wesentliches Bindeglied fehlte. So
blieb mir nichts übrig, als das Problem einmal von der entgegengesetzten Seite
in Angriff zu nehmen..." Nun bemühte sich Max Planck, am Schreibtisch einfach eine Formel
mathematisch so zu konstruieren, daß sie mit den Ergebnissen der Messungen im
Einklang sei. Am 19. Oktober 1900 war es soweit. Er stellte seine neue, auf
rein spekulativem Wege gefundene Formel in der Sitzung der Berliner Physikalischen
Gesellschaft zur Prüfung vor. Und schon am nächsten Tag suchte ihn sein Kollege
Rubens auf und berichtete, daß er noch in der Nacht die Formel mit seinen neuesten
Meßdaten verglichen und überall eine optimale Übereinstimmung gefunden habe.
Aber damit war Max Planck natürlich nicht zufrieden. Er schreibt:
"... selbst wenn man ihre absolut genaue Gültigkeit voraussetzt,
würde die Strahlungsformel lediglich die Bedeutung eines glücklich erratenen
Gesetzes besitzen. Darum war ich vom Tag ihrer Aufstellung an mit der Aufgabe
beschäftigt, ihr einen wirklichen physikalischen Sinn zu verleihen."
In der Tat wäre die Konstruktion dieser Formel zwar genial,
aber nicht weltbewegend gewesen. Erst in der richtigen Deutung und Herleitung
seiner Formel liegt die entscheidende Leistung Plancks. Er sagte sich: Wenn
die Strahlung mit der rein mathematisch konstruierten Formel übereinstimmt,
dann muß der Mechanismus der strahlenden Atome eine Eigenschaft aufweisen, die
wir noch nicht kennen, die aber in der Formel als Geheimnis enthalten ist. Er
konzentrierte sich mit der ganzen Zähigkeit seines Wissens auf die Lüftung dieses
Geheimnisses. Er selbst sagt in seinem Nobel-Vortrag:
"Nach mehreren Wochen der intensivsten Arbeit meines Lebens
begann sich die Dunkelheit zu lichten. Man mußte über die Energie der schwingenden
Ladungen eine einfache, aber sehr merkwürdige Annahme machen. Diese Annahme
lautete: Die Energie der schwingenden Ladungen ist stets ein ganzzahliges Vielfaches
eines kleinsten Energie-Quantums."
Was also war die neue Erkenntnis? Max Planck hatte erkannt,
daß die ausgestrahlte Energie ebenso wie die Materie eine atomistische Struktur
besitzt, daß jede Strahlung von dem strahlenden Körper nicht gleichmäßig und
kontinuierlich abgegeben wird, sondern aufgeteilt in sehr, sehr kleine Energieportionen
- er nannte sie Quanten - ausgesandt wird. Er erkannte außerdem, wie die Größe
dieser Quanten von der Strahlungsfrequenz, also von der Farbe, abhängig ist,
und er konnte genau die Größe dieser Quanten ausrechnen.Die Quantentheorie besagt somit, daß jede Temperaturstrahlung,
also auch jeder Lichtstrahl, nicht aus zusammenhängenden Wellen, sondern aus
einer ungeheueren Vielzahl einzelner, voneinander unabhängiger ganz kurzer Wellenzüge
mit genau angebbarer Energie besteht.Nun wird mancher denken, das sei doch nicht so weltbewegend,
daß man daraus so viel Aufhebens machen müßte. Und in der Tat haben auch die
bedeutendsten Physiker seiner Zeit nicht ahnen können, welche Folgen Plancks
Entdeckung nach sich ziehen würde. Wohl aber hat Planck selbst die Größe seiner
Entdeckung geahnt. Hat er doch im Dezember 1900 zu seinem Sohn Erwin folgendes
gesagt:
"Entweder ist das, was ich jetzt herausbekommen habe, Unsinn,
oder ich habe eine Entdeckung gemacht, die so wichtig ist wie das Gravitationsgesetz
von Newton."
Die grundlegende Vorstellung von Planck, daß Energie nicht in
beliebigen Größen, sondern nur immer aufgeteilt in einzelnen Quanten ausgestrahlt
werden kann, führte in den nächsten 30 Jahren zu weitreichenden Konsequenzen.
Einstein konnte mit dieser Vorstellung 1905 die Wechselwirkung von Licht auf
Metalle richtig deuten. Weiterhin zog Niels Bohr aus der neuen Quantentheorie
die Folgerung, daß in den Atomen die Elektronen nicht auf willkürlichen Bahnen
um den Atomkern kreisen, sondern daß sie sich nur auf bestimmten ausgezeichneten
Bahnen, den sog. Quantenbahnen bewegen. Heisenberg kam zu der zwingenden Folgerung,
daß generell im atomaren Bereich die Physik nur Wahrscheinlichkeitsaussagen
machen kann.Max Planck wurde so mit seiner Quanten-Theorie zum Begründer
der gesamten modernen Physik. Seine Leistung ist nur zu vergleichen mit der
von Galilei und Newton oder hinsichtlich der Relativitätstheorie mit den genial
einfachen Grundannahmen eines Einstein.Stationen seines Lebens
/ Revolutionär der Physik
Besuch bei HitlerPhysiker über Max Planck / Atomphysik
in VersenAus Max Planck: "Mein Besuch bei Hitler"
(1933)...hatte ich dem Führer meine Aufwartung zu machen.
Ich glaubte, dies nutzen zu sollen, um ein Wort zugunsten meines jüdischen Kollegen
Fritz Haber einzulegen, ohne dessen Verfahren der Ammoniakgewinnung der vorige
Krieg von Anfang an verloren gewesen wäre.
Hitler antwortete: "...Juden sind alle Kommunisten, gegen sie geht mein Kampf.
Jud ist Jud. Alle Juden hängen wie Kletten zusammen. Deshalb muß ich gegen alle
Juden vorgehen."
Auf meine Bemerkung, daß es geradezu eine Selbstverstümmelung wäre, wenn man
Juden nötige, auszuwandern, weil wir ihre Arbeit nötig brauchen, ließ er sich
nicht ein, erging sich in allgemeinen Redensarten und endete schließlich: "Man
sagt, ich leide gelegentlich an Nervenschwäche. Das ist eine Verleumdung. Ich
habe Nerven wie Stahl."
Dabei schlug er sich auf das Knie, sprach immer schneller und schaukelte sich
in eine solche Wut, daß mir nichts übrig blieb als zu verstummen.
Stationen seines Lebens
/ Revolutionär der Physik / Besuch
bei Hitler
Physiker über Max PlanckAtomphysik in Versen
"Was er geschaffen hat, ist natürlich wie jede wissenschaftliche
Leistung ein Stein in einem Gebäude, an dem viele bauen, aber es ist ein tragender
Stein, ein Pfeiler, ohne den das ganze stürzen würde."
Max Born (Nobelpreis 1954)
"Nicht nur einer der ganz Großen aus dem Reich der Wissenschaft,
sondern eine Persönlichkeit, die trotz schwerer Schicksalsschläge ihre innere
Größe und Menschlichkeit nie verloren hat."
Otto Hahn (Nobelpreis 1944)
"Unsere Sympathie für ihn bedarf keiner fadenscheinigen Begründung."
Einstein (Nobelpreis 1921)
"In der Geschichte der Wissenschaft gibt es wohl wenig Ereignisse,
die so außerordentliche Folgen gehabt haben wie Plancks Entdeckung."
Niels Bohr (Nobelpreis 1922)
"Ein Denker, der an der Harmonie, an der klassischen Geschlossenheit
der Physik immer seine Freude hatte und dem nichts ferner lag als eine Revolution."
Heisenberg (Nobelpreis 1932)
"Max Plancks Quantentheorie ist ein Beispiel für eine Revolution
des physikalischen Denkens. Sie hat die Physiker gezwungen, ihre Grundvorstellungen
zu revidieren."
Max Born (Nobelpreis 1954)
"Eine einzigartige Tat, die nicht nur die Physik, sondern
dem Weltbild aller Menschen eine neue Wendung gegeben hat."
Max von Laue (Nobelpreis 1912)
Atomphysik in Versen
Auf Keplerschen Ellipsen hetzen
gemäß den Keplerschen Gesetzen
die Elektronen froh und gern
wohl um den positiven Kern.
Doch sind hierbei, wie Bohr behaupt,
diskrete Bahnen nur erlaubt.
Beschränken wir uns klug und weise
zunächst einmal auf simple Kreise,
so sind nur solche Bahnen richtig,
deren Impulsmoment (wie wichtig)
gleich n mal h durch 2 mal p.
Und deren Radien, wissen Sie,
verhalten sich dann allemal
wie das Quadrat der Quantenzahl.
Das h ist hierbei, ihm sei Dank,
das Wirkungsquantum des Herrn Planck.
In Joule-Sekunden fand als h sich
6,6 mal zehn hoch mínus 34.
Schwingt's Elektron auf solchem Kreis,
es nimmermehr von Strahlung weíß.
Am liebsten weilt es nah am Kern,
und dünkt ihm mal ein Weg zu fern,
dann - schwuppdiwupp und mit Elan -
springt's rasch in eine tiefere Bahn.
Dabei wird Energie entbehrlich;
die setzt uns Einstein klug und herrlich
gleich h mal n - ein stolzes Wort -
und schickt als Strahlungsquant es fort.
Autor Unbekannt (um 1920) |
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